Im Rahmen der zweiten Gladbecker Demokratiekonferenz kamen am 28. April über 100 engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Bildung zusammen. Die Demokratiekonferenz ist Bestandteil der Gladbecker Partnerschaft für Demokratie, die im Rahmen der Bundesprogramms "Demokratie leben!" vom Bundesfamilienministerium gefördert wird.
Nach der Eröffnung durch die Bürgermeisterin wurde das Leitbild „Gemeinsam demokratisch“ der Gladbecker Partnerschaft für Demokratie vorgestellt und von den Teilnehmenden feierlich unterzeichnet.
Das Leitbild ist ein freiwilliges Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten und bildet die gemeinsame Grundlage der Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Es stärkt demokratisches Engagement, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt und setzt zugleich ein klares Zeichen gegen menschenfeindliche und demokratiefeindliche Entwicklungen.
Entstanden ist das Leitbild in einem mehrstufigen, offenen Beteiligungsprozess mit unterschiedlichen Formaten – darunter eine Demokratiekonferenz, digitale Beteiligungsmöglichkeiten sowie Beratungen im Begleitausschuss der Gladbecker Partnerschaft für Demokratie. Auf diese Weise konnten vielfältige Perspektiven aus der Stadtgesellschaft einfließen und im Dialog weiterentwickelt werden.
Die Unterzeichnung machte deutlich, dass das Leitbild als verbindende Grundlage über unterschiedliche Positionen hinweg verstanden wird. Es schafft eine gemeinsame Orientierung, ohne bestehende Vielfalt an Meinungen aufzuheben, und bildet damit den Ausgangspunkt für die weitere Zusammenarbeit innerhalb der Partnerschaft für Demokratie in Gladbeck.
Diesem starken symbolischen Akt folgte ein hochrangiger Fachinput von Dr. Ruth Schüler und Dr. Judith Niehues des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Die Vorstellung der Studie „Sorgen und Demokratiezufriedenheit – das Ruhrgebiet als Sonderfall“ gab wichtige Impulse für die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und der demokratischen Situation in der Region.
Im Anschluss arbeiteten die Teilnehmenden in einer intensiven Workshopphase an zentralen Fragen rund um demokratische Beteiligung, Projektentwicklung und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts vor Ort.
Workshop 1: „Gemeinsam demokratisch – wie bringen wir Menschen ins Gespräch?“
Im Fokus standen neue Ideen für niedrigschwellige Dialogformate im Alltag. Die Teilnehmenden betonten, dass gute Gesprächsformate vor allem dann gelingen, wenn sie offen gestaltet sind und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Als zentrale Voraussetzungen wurden klare Gesprächsregeln, passende Themen sowie ein respektvoller Umgang miteinander.
Workshop 2: „Von der Idee zum Projekt – die Partnerschaft für Demokratie wird aktiv“
Aus rund 73 Projektideen wurden erste Ansätze gebündelt, priorisiert und konkretisiert. Dabei wurde deutlich, dass eine stärkere Orientierung an den Förderzielen sowie transparente Verfahren und gute Begleitung entscheidend für erfolgreiche Projektumsetzungen sind. Es entstanden mehrere konkrete Projektansätze für das Jahr 2026, die nun weiterentwickelt werden.
Workshop 3: „Praxis trifft Forschung – Austausch mit Expertinnen“
Im Austausch mit wissenschaftlichen Expertinnen wurde diskutiert, wie aktuelle Forschungsergebnisse stärker in die lokale Demokratiearbeit einfließen können. Die Teilnehmenden sahen hierin großes Potenzial, insbesondere zur Weiterentwicklung wirksamer Beteiligungsformate und zur besseren Einordnung gesellschaftlicher Entwicklungen auf kommunaler Ebene.
Workshop 4: „Demokratie stärken – was brauchen Engagierte vor Ort?“
Im Mittelpunkt standen die konkreten Unterstützungsbedarfe von Engagierten. Häufig genannt wurden der Umgang mit konflikthaften Situationen, der Wunsch nach mehr Handlungssicherheit sowie der Bedarf an Fortbildungen und stärkerer Vernetzung. Die Ergebnisse liefern wichtige Grundlagen für zukünftige Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote.
Die Konferenz zeichnete sich durch eine breite Beteiligung aller gesellschaftlichen Bereichen aus – neben Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft war ausdrücklich auch die lokale Wirtschaft vertreten. Die große Vielfalt der Teilnehmenden wurde als besondere Stärke der Veranstaltung wahrgenommen und trug wesentlich zur inhaltlichen Tiefe der Diskussionen bei.
Das digitale Feedback im Anschluss an die Veranstaltung zeigt eine insgesamt sehr positive Bewertung. Die Teilnehmenden zeigten sich überwiegend zufrieden und bestätigten die hohe Relevanz der behandelten Themen für die Stadtgesellschaft in Gladbeck.
Besonders positiv hervorgehoben wurden die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung, der Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft sowie die offene und engagierte Atmosphäre der Veranstaltung. Viele Teilnehmende gaben an, konkrete Impulse für ihr eigenes Engagement mitzunehmen sowie neue Kontakte zu knüpfen oder bestehende Netzwerke zu erweitern.
Gleichzeitig wurde der Wunsch nach mehr Zeit für Austausch und vertiefte Workshoparbeit geäußert. Auch eine stärkere lokale Ausrichtung einzelner Themen sowie eine noch intensivere Einbindung jüngerer Zielgruppen wurden angeregt.
Insgesamt wurden die Veranstaltung und ihre Ergebnisse als motivierend, informativ und zukunftsweisend beschrieben.
Die große Beteiligung von über 100 Personen zeigt eindrucksvoll, wie stark das Engagement für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Gladbeck ist. Die Vielzahl an konkreten Ideen und Bedarfen wird nun dokumentiert, ausgewertet und in die weitere Arbeit der Gladbecker Partnerschaft für Demokratie einfließen.